Häufige Fragen

Was passiert bei der Nachrüstung?

Damit auch ein Diesel-Fahrzeug der Abgasnorm Euro 5 (oder älter) weiterhin Diesel-Fahrverbotszonen befahren darf, muss der Stickoxid (NOx)-Ausstoß des Autos unterhalb von 270 mg NOx pro Kilometer liegen. Dies kann durch eine Hardware-Nachrüstung erreicht werden.

Hierbei werden der Abgasnachbehandlung verschiedene Elemente, u.a. ein AdBlue-Tank, ein SCR-Katalysator und ein Steuergerät, hinzugefügt, um die Abgasreinigung effizienter zu gestalten. Die gesundheitsgefährdenden Stickoxide können durch die gezielte Einspritzung des Harnstoffes AdBlue bereits reduziert werden, bevor die Abgase an die Frischluft gelangen.

Welche Diesel-Fahrzeuge sind betroffen?

Alle Diesel-Fahrzeuge, die eine Euro 1- bis 5-Zertifizierung haben, sind grundsätzlich von Fahrverboten betroffen. Denn in Darmstadt, Berlin und Hamburg werden auf bestimmten Strecken explizit Diesel-Fahrzeuge dieser Abgasnormen verbannt. In Stuttgart ist zwar der gesamte Stadtbereich eine Fahrverbotszone, dafür sind hier nur Euro 1 bis 4-Fahrzeuge verboten. Doch auch künftig eingeführte Fahrverbote, wie sie beispielsweise in Frankfurt und Dortmund geplant sind, werden Diesel-Fahrzeuge mit Euro 1- bis 5-Zertifizierung aus deutschen Innenstädten aussperren.

Welche Fahrzeuge können nachgerüstet werden?

Ob ein Fahrzeug mit Euro 5-Zertifizierung nachgerüstet werden kann, muss individuell geprüft werden. Grundsätzlich haben aber die Nachrüstsysteme der Hersteller Dr.Pley SCR Technology GmbH und Twintec Baumot eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 erhalten. Jedoch wurden die Systeme bisher nur für bestimmte Modelle freigegeben. Besitzer anderer Fahrzeuge müssen sich noch gedulden und auf weitere Genehmigungen warten.

Aktuell können bestimmte Modelle der Marken VW, SEAT, Skoda, Audi, sowie Mercedes, BMW und Volvo nachgerüstet werden.

Warum ist das Thema gerade so aktuell?

Im September 2015 kamen die ersten Enthüllungen zum Dieselskandal an die Öffentlichkeit, was dazu führte, dass der Diesel sein Saubermann-Image verlor. Die Emissionswerte der manipulierten Fahrzeuge überstiegen die gesetzlich erlaubten Stickoxid-Grenzwerte um ein Vielfaches.

Um die Stickoxid-Werte zu senken, begannen viele Städte, in denen die Belastung besonders hoch ist, über Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge zu diskutieren. Immer mehr Städte setzen sie nun auch um. Diese treffen hauptsächlich Diesel der Abgasnorm Euro 5 oder älter. Für Besitzer eines Diesels mit Euro 5-Zertifizierung besonders ärgerlich, da solche Fahrzeuge häufig erst wenige Jahre alt sind.

Die Politik hat nun nach vielen Diskussionen die ersten Nachrüstsysteme für Euro 5-Diesel vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigen lassen. Nach einer Nachrüstung entspricht der Stickoxid-Ausstoß älterer Diesel-Modelle dem von Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 6. Damit ist es nachgerüsteten Diesel-Fahrzeugen offiziell erlaubt, in Fahrverbotszonen einzufahren.

Warum sollte ich mein Diesel-Fahrzeug nachrüsten?

Der Dieselskandal hatte zur Folge, dass der Kraftstoff Diesel deutlich an Ruf einbüßen musste. Daraus folgte ein drastischer Wertverlust von Diesel-Fahrzeugen aller Abgasnormen. Besonders schlimm trifft es Fahrzeuge mit Euro 1 bis Euro 5-Zertifizierung, da diese von den bereits bestehenden und noch einzuführenden Fahrverboten betroffen sind. Besitzer älterer Diesel-Modelle können ihre Fahrzeuge häufig nur noch eingeschränkt nutzen und haben zudem keine große Chancen auf einen wirtschaftlich sinnvollen Wiederverkauf.

Eine Nachrüstung von Hardware bedeutet für das Diesel-Fahrzeug eine Aufwertung. Zwar bleibt offiziell die Euro 5-Zertifizierung bestehen, jedoch macht eine Eintragung in den Fahrzeugschein, Zulassungsbescheinigung Teil I, eine Einfahrt in alle bisher bestehenden Fahrverbotszonen möglich.

Zudem sorgt die Diesel-Nachrüstung dafür, dass der Ausstoß an gesundheitsgefährdenden Stickoxiden deutlich sinkt. Die Modifizierung der Abgasnachbehandlung bewirkt eine direkte Reduzierung der ausgestoßenen Abgase, was unserer Gesundheit zugutekommt.

Wo ist der Unterschied zwischen Software- und Hardware-Nachrüstung?

Im Rahmen diverser Rückrufaktionen der großen Automobilhersteller wurden Millionen Diesel-Besitzer dazu aufgefordert, ihr Fahrzeug in eine Werkstatt zu bringen, um die Software aktualisieren zu lassen. Hierbei spricht man von einem Software-Update.

Halter manipulierter Diesel können dazu gezwungen werden, die neue Software-Version aufspielen zu lassen - ansonsten droht ihnen die Stilllegung. Bei der Software-Nachrüstung wird die Komponente, welche die Abgaswerte manipuliert hat, aus der Motorsteuerungssoftware herausgelöscht. Diese Maßnahme findet nur digital statt und ist für den Diesel-Kunden kostenlos. Allerdings häufen sich Berichte, wonach die Software-Updates ihre Wirkung verfehlen. Halter berichten von Problemen mit dem Motor beim Anlassen, geringerer Beschleunigung, verminderter Laufruhe und Mehrverbrauch. Zudem wird in manchen Fällen die effektive Reduzierung der NOx-Emissionen angezweifelt.

Eine Hardware-Nachrüstung kann auf freiwilliger Basis durchgeführt werden, weshalb auch der Halter in der Regel die Kosten zu tragen hat. Hierbei werden der Abgasnachbehandlung verschiedene Elemente hinzugefügt, welche die Reduzierung der Stickoxid-Emission des Diesel-Fahrzeugs herbeiführt. Es erfolgt ein tatsächlicher Einbau von Teilen. Die Hardware-Nachrüstung ist die einzige Möglichkeit, den Ausstoß schädlicher Emissionen zuverlässig und langfristig unter die gesetzliche Obergrenze zu senken.

Was kostet mich die Nachrüstung und wer trägt die Kosten?

Die Kosten für die Nachrüstung eines Diesel-Fahrzeugs belaufen sich nach Angaben der Hersteller auf 3.000 bis 3.600 Euro. Der tatsächliche Aufwand und die damit verbundenen Preise hängen final davon ab, welches Fahrzeug nachgerüstet wird.

Grundsätzlich muss der Besitzer des Diesel-Fahrzeugs die Kosten für die Hardware-Nachrüstung übernehmen. Die Fahrzeughersteller Volkswagen und Mercedes haben bereits angekündigt, ihre Kunden mit bis zu 3.000 Euro finanziell zu unterstützen. Diese Finanzierung erhalten jedoch nur Privatkunden, die in definierten “Schwerpunktregionen” wohnen, in denen das Diesel-Problem als besonders gravierend eingestuft wurde. Von allen Besitzern eines nachzurüstenden Diesel-Fahrzeugs kommt also nur ein Bruchteil tatsächlich in Frage. Zudem verzichten alle Verbraucher, die sich die Nachrüstung von VW oder Mercedes bezahlen lassen, auf jegliche Schadensersatzansprüche gegenüber der Autobauer.

Was passiert, wenn ich nicht nachrüste?

Diesel-Besitzer, die sich gegen eine Hardware-Nachrüstung entscheiden, müssen anders als beim Software-Update mit keinen rechtlichen Konsequenzen rechnen. Es steht jedem Halter völlig frei, das eigene Fahrzeug nachrüsten zu lassen. In der Regel ist die Entscheidung über eine Nachrüstung abhängig von vielen Faktoren, u.a dem Alter des Fahrzeugs und ob überhaupt Bedarf besteht, in Fahrverbotszonen einzufahren.

Besitzer von Euro 5-Diesel-Modellen müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass bei Verzicht auf eine Hardware-Nachrüstung einige Nachteile auf sie zukommen können. So ist es wahrscheinlich, dass langfristig viele weitere Fahrverbotszonen in deutschen Städten eingeführt werden. In einem solchen Fall können Euro 5-Diesel nur noch eingeschränkt genutzt werden.

Zudem erfahren Diesel-Fahrzeuge weiterhin einen massiven Wertverlust, der auch in der Unverkäuflichkeit enden kann. Diesem kann durch die Nachrüstung der Abgasnachbehandlung entgegengewirkt werden.

Zudem werden Fahrzeuge mit einer Euro 1 bis 5-Zertifizierung nicht umsonst aus Stadtgebieten verbannt. Die Abgasbelastung solcher Fahrzeuge liegt deutlich über den gesetzlich erlaubten Grenzwerten und belastet sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit von Mensch und Tier.

Wie lange dauert die Nachrüstung?

Nach Angaben der beiden großen Anbieter von SCR-Systemen, Dr. Pley SCR Technology GmbH und Twintec Baumot, wird die Dauer des Einbaus auf etwa drei bis fünf Arbeitsstunden geschätzt.

In welchen Städten gibt es Fahrverbotszonen für Diesel-Fahrzeuge?

Aktuell gibt es in den Städten Hamburg, Berlin, Darmstadt und Stuttgart Fahrverbotszonen. Hierbei handelt es sich nur um bestimmte Streckenabschnitte viel befahrener Straßen, die für Fahrzeuge mit Euro 5-Zertifizierung oder älter gesperrt sind. Lediglich Stuttgart hat das gesamte Stadtgebiet für alle Diesel gesperrt, die mit der Abgasnorm Euro 1 bis 4 unterwegs sind.

In vielen weiteren Städten wurden und werden Fahrverbote diskutiert. Bisher ist die Einführung nur in Dortmund und Frankfurt für die nächsten Monate und Jahre fix geplant. Andere Städte konnten bereits durch alternative Maßnahmen die Stickoxid-Belastung senken.

Eine aktuelle Auflistung aller Fahrverbotszonen deutscher Städte finden Sie hier: https://gis.uba.de/website/umweltzonen/umweltzonen.php