Untersuchung belegt: „Thermo­fenster“ ist unzulässige Abschalt­einrichtung

Millionen deutscher Dieselfahrzeuge wurden in ihrem Abgasverhalten manipuliert. Die Welle der Empörung, die im September 2015 medial an Kraft gewann, ist auch im Jahr 2020 nicht verebbt. Nun gewährt ein aktueller Messbericht des Abgas-Spezialisten Dr. Martin Pley neue Einblicke in den größten Skandal der Automobilgeschichte und identifiziert darin das „Thermofenster“ als unzulässige Abschalteinrichtung der Abgasrückführung. Es steuert die Abgasreinigung, wobei das Ausmaß dieser Abgasreinigung von der Außentemperatur abhängig ist. Bei Temperaturen zwischen 20 und 33 Grad werden einwandfreie Emissionswerte erreicht.

  • Das Aktionsbündnis Diesel-Nachrüstung führte intensive Untersuchungen des Abgassystems an einem Mercedes C250 (Euro 5) durch.
  • Gesetzliche Emissionswerte werden nur bei Temperaturen zwischen 20 und 33 Grad Celsius erreicht – auf dem Prüfstand klappt das wunderbar.
  • Der Messbericht stellt die Rechtfertigungsthese der Hersteller in Frage, wonach das Thermofenster unabdingbar für den Schutz des Motors sei.

Rund 15,1 Millionen Diesel-Fahrzeuge meldet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) im Jahr 2019. Ein Großteil von ihnen ist mit einer technischen Vorrichtung ausgestattet, die wiederholt für kontroverse Debatten sorgt. Fakt ist: die Hersteller wussten schon seit Jahren um die Möglichkeiten, ihre Fahrzeuge mit stickoxidbewusster Technik auszustatten – kostengünstig und im Grunde recht unkompliziert, so Dr. Pley. Nur 50 bis 100 Euro für Bauteile wären notwendig gewesen, zuverlässig niedrige NOx-Emissionen sicherzustellen. Ist und war das Thermofenster wirklich die einzige Lösung, den Motor zu schützen?

Messbericht widerlegt Argumentation der Hersteller

Die Untersuchungen an einem Mercedes C250 CDI 4Matic mit Euro-5-Norm widerlegen die These der Hersteller, wonach die Abgasrückführung im realen Fahrbetrieb aus Gründen des Motorschutzes heruntergefahren oder gänzlich ausgeschaltet wird. Sie berufen sich auf das Thermofenster als technische Notwendigkeit, das den sicheren Betrieb des Fahrzeugs gewährleisten soll. Hierbei legen sie Art. 5. Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 715/2017 zugrunde, der eine Verminderung der Abgasreinigung dann legitimiert, wenn

  • die Einrichtung notwendig ist, um den Motor vor Beschädigung oder Unfall zu schützen.
  • die Einrichtung nicht länger arbeitet als zum Anlassen des Motors erforderlich ist beziehungsweise
  • die Bedingungen in den Verfahren zur Prüfung der durchschnittlichen Auspuffemissionen im Wesentlichen enthalten sind.

Es mag es korrekt sein, den Motor vor Extremtemperaturen schützen zu wollen. Extrem bedeutet: bei sehr großer Hitze oder Werten weit unterhalb des Nullpunktes. Die hierzulande üblichen Temperaturen, die gut neun Monate im Jahr unter 20 Grad liegen, legitimieren das Thermofenster jedoch nicht.

Abgasreinigung funktioniert nur bei wärmeren Temperaturen

Die Thermofenster-Technik sorgt für eine Abgasrückführung, die in klarer Abhängigkeit zu den Außentemperaturen steht. So erfolgt zwischen 20 und 33 Grad eine normgerechte Abgasreinigung, die mit den gesetzlichen Vorschriften konformgeht. Werte unter 20 Grad, wie sie in Mitteleuropa eher die Regel als die Ausnahme darstellen, führen hingegen zu einem erhöhten Ausstoß giftiger Stickoxide (NOx). Dabei gilt: Je niedriger die Außentemperatur, desto höher der NOx-Wert. Die gesetzliche Emissionsgrenze von 180 Mikrogramm Stickoxide pro gefahrenem Kilometer (mg/km NOx) für Euro-5-Fahrzeuge wird auf diese Weise verfehlt. Angesichts der Masse an betroffenen Dieselfahrzeugen kommt dies einer erheblichen Gefahr für Gesundheit und Umwelt gleich.

Software-Update ohne Wirkung auf Abgasreinigung

Die Aussage der deutschen Autoindustrie lautete: mit dem Software-Update werden Dieselautos bis zu 30 Prozent weniger giftige Stickoxide als vorher ausstoßen. Dieses Versprechen hat sich – so ein aktueller Testbericht des ZDF-Magazins Frontal21 – offensichtlich in Luft aufgelöst.

Blies das Testfahrzeug vor dem Update 715mg/km NOx in Luft – zur Erinnerung: der Grenzwert liegt bei 180 – waren es nach dem Update 764mg und in einem dritten Abgastest sogar 792mg/km NOx, was einer reichlichen Vervierfachung entspricht. Die Maßnahme, die der städtischen Luftreinheit dienen und somit der menschlichen Gesundheit zuträglich sein sollte, bewirkte folglich das Gegenteil. Haben wir es also mit der Verschlimmbesserung eines im Grunde unnötigen Problems zutun? War die Thermofenster-Technik damals tatsächlich die einzige Lösung – wohlwissend, dass dieser „Motorschutz“ stark überhöhte NOx-Werte mit sich bringt?

Die Untersuchungen zeigen auf, dass den Herstellern durchaus die technischen Mittel gegeben waren, eine effiziente Abgasreinigung auch unter 20 Grad Außentemperatur durchzuführen. Dr. Pley verweist hier auf eine einfache Bypass-Lösung mit geregelter Ladeluftkühlung oder den SCR-Katalysator, wie er bei der Hardware-Nachrüstung Anwendung findet.

Ein Software-Update mag im ersten Moment verlockend anmuten. Doch behebt eine oberflächliche Behandlung nun einmal keinen grundlegenden technischen Mangel. Ebenso wenig wie ein Schimmelfleck sich von einem Farbeimer davon abhalten lässt, weiterhin eine Gefahr für die Gesundheit zu sein.

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